Pater bestätigt den Missbrauch an ehemaligen Heimkindern. Er sei an der Tagesordnung gewesen.

Veröffentlicht auf von Klausheidekinder

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"Pater S." und das Zölibat

"Missbrauch in der Kinderheimen an der Tagesordnung"

 

 

(News4Press.com)



Unter Heimerziehung wird die Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung verstanden, in der Kinder und Jugendliche über Tag und Nacht pädagogisch betreut werden, um sie durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung zu fördern. Der Ursprung der heutigen Heimerziehung liegt in dem klassischen Kinderheim, sie hat sich aber wesentlich weiter entwickelt. Der reine Fürsorgegedanke wurde durch das Partizipationsprinzip abgelöst. Für einen Großteil der Bevölkerung stellt das Kinderheim noch immer die klassische Jugendhilfemaßnahme dar. Erst in letzter Zeit hat sich die Assoziationskette Jugendamt- bzw. Jugendfürsorge-Heim gelockert.

Im November 2008 empfahl der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, einen Runden Tisch einzurichten, der die Geschehnisse in der Heimerziehung im westlichen Nachkriegsdeutschland unter den damaligen rechtlichen, pädagogischen und sozialen Bedingungen aufarbeiten sollte. Der Petitionsausschuss drückte aus, dass er das erlittene Unrecht und Leid, das Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kinder- und Erziehungsheimen in der alten Bundesrepublik in der Zeit zwischen 1945 und 1975 widerfahren sei, sehe und erkenne und dass er es zutiefst bedauere.

Nachdem sich der Deutsche Bundestag der Empfehlung angeschlossen hatte, richtete die Bundesregierung den Runden Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren unter dem Vorsitz der Bundestagsvizepräsidentin a.D. Dr. Antje Vollmer ein. Der Runde Tisch soll die Hinweise auf das Unrecht, das Heimkindern zugefügt worden ist, prüfen. Er soll die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen (organischen oder psychischen) Folgen der Heimerziehungspraxis aufarbeiten und die Kommunikation zwischen den Betroffenen und den „Nachfolge“-Organisationen der damaligen Heimträger fördern sowie Kontakte zur individuellen Bearbeitung von Heimbiographien herstellen. Darüber hinaus soll der Runde Tisch der Information ehemaliger Heimkinder dienen und psychologische, soziale oder seelsorgerische Beratungsangebote der beteiligen Institutionen und Organisationen an ehemalige Heimkinder bei Bedarf vermitteln. Schließlich sollen Kriterien zur Bewertung der Forderungen ehemaliger Heimkinder entwickelt werden und mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

Dem Runden Tisch gehören Vertreter der ehemaligen Heimkinder an, ferner Vertreter des Bundestages, der Bundes und der Länder, der Jugendämter, der staatlichen, kirchlichen und nicht konfessionellen Träger der Erziehungsheime, beteiligt sind daneben Jugendinstitute und Wissenschaftler. Rechtsträger des Runden Tisches ist der Verein Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe e.V.

"In den 50er, 60er und 70er Jahren war der körperliche und sexuelle Missbrauch in allen Kinderheimen an der Tagesordnung". Als ich diesen Satz aus dem Mund einer Mitarbeiterin eines Kinderheimes in NRW hörte, wusste ich nicht ob ich vor lauter Wut weinen oder schreien sollte. Liest man die Berichte über Priester und Nonnen, die als Täter und Täterinnen überführt wurden, dann kommt noch die Uneinsichtigkeit dazu: "Ich wollte doch nur lieb und zärtlich sein. Kein Kind habe ich zu etwas gezwungen." Ein Priester jedoch brachte es auf einen wesentlichen Punkt: "Solange es das Zölibat gibt, solange werden Kinder missbraucht."

Nicht nur die Täter - auch diejenigen die wissend Missbräuche vertuschten - gehören auf die Anklagebänke. Wer Täter schützt, der vergewaltigt die Kinder ein zweites Mal. Das viele Täter verstorben sind macht die Schuld nicht kleiner. Die Bundesregierung ist gefordert die unsäglichen Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch zu verändern. Wenn Mord nicht verjährt, dann kann auch der langsame Tod der missbrauchten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen nicht verjähren. Wer um die Silberlinge einer finanziellen Entschädigung mit den Opfer schachert, der sollte sich zutiefst schämen.

Heinz L. ist ein Fall von vielen tausenden anderer Fälle, die jahrzehntelang verschwiegen und vertuscht wurden. Niemand konnte sich vorstellen, dass ausgerechnet "Männer und Frauen Gottes" reihenweise Kinder körperlich und sexuell missbrauchen: Was nicht sei durfte, das war auch nicht so. Lesen Sie eine weitere Schicksalsgeschichte eines Menschen.

Mein Name ist Heinz L. und ich bin im Januar 1948 geboren. Ich kam mit acht Monaten vom 29.09.1948 bis 16.07.1957 in ein Kinderheim in Mönchengladbach, Engelbleckerstrasse 55. Dieses Heim wurde von der Diakonie geleitet. In diesem mussten wir stundenlang in Reihen auf dem Töpfchen sitzen. Schläge gab es für jede Kleinigkeit, ins Gesicht oder auf den Po. Erbrochenes Essen musste wieder gegessen werden. Nachdem ich mit neun Jahren für das Heim nicht mehr tragbar war ging es für fast ein Jahr in das Don Bosco Kinderheim in Viersen Helenabrunn bis zum 22.05.1958. Dieses Kinderheim wurde von Nonnen der Augustinerinnen / Emmaculata geleitet. Mit 10 Jahren kam ich für ein Jahr wieder nach Hause. Das war vom 23.05.1958 bis 18.03.1959. Das Heim wollte mich nicht länger haben.

Meine Mutter konnte mit dem total zerstörten Jungen auch nicht mehr umgehen und so kam ich mit elf Jahren am 19.03.1959 nach Urft in die Eifel ins Hermann Josef Haus. Hier der Bericht vom Hermann Josef Haus über mich bei der Einlieferung:
„Heinz war von seiner Geburt an fast immer in Kinderheimen, die Mutter hatte sich nie allzuviel um ihn gekümmert. Als er zu schwierig wurde hat man ihn zur Mutter entlassen, diese arbeitete aber den ganzen Tag und Heinz war sich selbst überlassen.“

Dort blieb ich bis zum 29.06.1962. Also 3 Jahre und 3 Monate. In Urft war ich in der Christopherusgruppe unter Schwester Adelheid im Altbau. Oben auf dem Dachspeicher war eine Zelle eingerichtet worden. In der nur eine Matratze mit einer kratzigen Decke war. In dieser Zelle war es im Sommer zu heiß und im Winter viel zu kalt, wenn wir da eingesperrt wurden. Ein halb gefüllter Eimer mit Wasser diente der Notdurft, ansonsten war die Zelle leer. Da war ich mal gerade 12 Jahre alt. Bettnässer haben immer Prügel bezogen, wenn sie ins Bett gemacht haben. Das passierte mir auch manchmal. Prügel gab es auch für Widerworte und ganz viel Prügel gab es für Gotteslästerung. Wir sind nach der Schule mit Arbeit übersät worden, Kuhstall reinigen, Schweine füttern und Kartoffel schälen waren unsere Aufgaben.

Jeden Tag, also morgens vor dem Frühstück, gingen wir in die Kapelle des Kinderheimes Herman Josef Haus. Ein Salvatorianer Pater aus Steinfeld, hielt die Messe ab und wohnte auch im Heim. Beim Fußballspiel bekam ich mal den Ball in den Unterleib und der Salvatorianer sagte zu mir, ich müsse zu ihm kommen, damit er mich untersuchen kann. So fing der sexuelle Missbrauch an. Ich saß auf seinem Schoß und er rieb sein Teil an meinem Körper. Einmal hatte ich den erigierten Penis auch in der Hand. Sein stöhnen geht mir bis heute nicht aus dem Sinn. Auch seine Alkoholfahne war für mich unerträglich. Sein Name war Pater S. M. Er massierte auch anderen Heimkindern gerne die Hoden nach dem Fußballspiel bei einer Verletzung. Hans-Günter H. kann den sexuellen Missbrauch im Heim bestätigen, denn auch seine Hoden wurden massiert. Unser erster Erzieher hieß damals Herr Haas. Unsere Lehrerin war eine kleine, alte Nonne, die besonders gerne zuschlug. Schwester Adelheid hatte sehr starken Mundgeruch gehabt. Als ich sie darauf ansprach bezog ich feste Prügel. Frag nicht nach Sonnenschein!

Anschließend war ich noch im Erziehungsheim Fichtenheim bei Krefeld, der vom (Landschaftsverband Rheinland) LVR Köln betrieben wurde. Eine Lehre habe ich da angefangen, aber nicht zu Ende geschafft. Herr Jansen, ein Erzieher vom LVR, schlug mir mit seinem schweren Schlüsselbund auf mein rechtes Ohr und zerstörte dabei einige Nerven. Mein leben lang litt ich an Hörverlust. Nach meiner zerstörerischen Heimzeit habe ich auf privatem Wege doch noch am 17.08.1965 meine Metzgerlehre fertig gemacht und danach mehr als 30 Jahre als Metzger gearbeitet. Heute bin ich Frührentner und kann einfach meine misshandelte Kindheit nicht vergessen. Seid einem halben Jahr bin ich in Therapie wegen PTBS. Danke Deutschland.

Die in dem Artikel aufgeführten Einrichtungen sind gebeten worden Stellung zu nehmen. Nur Direktor Wilhelm Schomaker vom Hermann-Josef-Haus Urft in Kall-Urft hat sich geäussert. Auch das Schweigen sagt etwas über Menschen aus.

"Gerne bestätigen wir, dass Herr Laumen in der Zeit von 1959 bis 1962 im Hermann-Josef-Haus in Urft lebte. Herr Laumen ist mir persönlich aus mehreren Begegnungen und Gesprächen bekannt. Die von Herrn Laumen vorgetragenen Vorwürfe wurden von uns sehr ernst genommen und mit ihm gemeinsam, soweit als möglich, aufgearbeitet. Hinsichtlich der Vorwürfe gegen Pater S. fand zudem ein gemeinsames Gespräch mit dem Ordenbeauftragten der Salvatorianer statt. Die Gesprächsergebnisse wurden gemeinsam protokolliert und Herrn Laumen übergeben. Die Staatsanwaltschaft wurde bei Ermittlungen unterstützt. Wir stehen seit vielen Jahren für alle Anfragen ehemaliger Heimkinder umfänglich zur Verfügung. Wir sehen die Not und das Leid vieler ehemaliger Heimkinder aus diesen Jahrgängen. Wir unterstützen die Aufarbeitung nachdrücklich. Dazu stehen wir auch in regelmäßigem Kontakt mit den Spitzenverbänden und mit Vertretern des Runden Tisches in Berlin, von dessen Arbeit wir uns eine gesamtgesellschaftliche Anerkennung und Würdigung der Anliegen ehemaliger Heimkinder erhoffen."

So sehr die Menschen mit großem Engagement Kinder aus der 3. Welt adoptieren. So sehr haben die Kinder in unseren Kinderheimen die Chance verdient, dass sich eine liebevolle und gütige Familie um sie kümmert. Wenn Sie sich noch einmal das Foto zu meinem Bericht von "Pater S." anschauen, dann denken sicherliche viele Mitmenschen: "Der sieht doch so liebvoll und seriös aus, der soll ein Kinderschänder sein?". Wer auch nur eine Kinderseele rettet, der rettet seine eigene Seele. "Pater S." und alle anderen Täterinnen und Täter haben längst ihre Seelen verloren und niemand kann ihnen vergeben.

 


freier Journalist EPF
Johannes Schumacher
Am Stadtrain 28a
41849  Wassenberg 

 

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Heinz Holger Brüggemann 02/18/2011 17:07


Wenigstens einer der zugibt wie grün und blau wir in den 60 Jahren geschlagen wurden. Kannst du diesen Bericht nicht makieren damit die Leute sehen das die ehemaligen Heimkinder nicht lügen?

Wie pervers es in den Heimen, insbesondere im Salvatorkolleg KLausheide, zuging beschreibt er aber nicht.

Es gab ja nicht nur Schläge sondern oft auch Tritte in Unterleib und Rücken, Po und Kopf. Manche Kinder wurden auch sexuell misshanldet so wie ich. Mich hat ein Ordensbruder im Salvatorkolleg mehhr
als öfter mißbraucht und behandelt. Clementine war allen im Kolleg bekannt. Ich kenne noch mindestens zwei kInder die von Clementine behandelt wurden.


Klausheidekinder 02/24/2011 15:03



Ich freue mich dich hier begrüßen zu können und werde dich telfonisch kontaktieren. LG Peter R.