Norbert Müllers Gedichte und Prosa

 

Klausheide- Kinder ( Erinnerungen nach 40 Jahren) ( André Bester) Norbert Müller (Pico)

 

Das Salvator-Kolleg war weit weg von der Stadt, Klausheide hieß das Kaff

hier waren wir Kinder verlassen und verloren auf dieser Welt

wir hatten keine guten Klamotten, kein Fahrrad und kein Geld

oft knurrte vor Hunger der Magen, ihr könnt es hinterfragen

wenn man etwas nicht mochte, dann hatte man Pech

oft ging es einem schlecht, bis man grüne Galle vor Hunger kotzte,

die Nonne nur glotzte, bis dann der Bruder Martin kam

der war auch richtig warm, der brannte wie eine Fackel....

ja das war Klausheide

 

Statt Vater- Mutterliebe gab es Prügel und Hiebe

das war Klausheide

die Schwester Hermenegildis war ein perverser Drachen,

da hatten wir nichts zu lachen

sie schlug auf „Teufel komm raus“ , dem einen ein dickes blaues Auge

dem anderen einen Zahn aus, sie zog auch an den Haaren

dann sagte sie: Horche mal, du schreibst mir hundertmal:

Nach dem Nachtgebet sind sämtliche Störungen untersagt,

da ist die Freizeit um, wir haben Rücksicht zu nehmen auf

Jungen und Erzieher, das gilt vom Abend- bis zum Morgengebet.

Zick, zack klatsch, da hattest du eine ins Gesicht.

Sehr oft schrie sie rum, hatte dann Spucke und Schaum vor dem Mund,

oft hat sie uns belogen, konnte nie loben.

Und wenn man sich ihr widersetzte, das war das allerletzte.

Dann hattest du verloren.

Ab ging es in den Keller, die Treppe runter, ab für 1- 2 Tage in den Bunker.

Da war es ruhig, die Wände schalldicht, da hörte man das flehen, jammern

und sah die weinenden Jungen nicht.

Man konnte nur warten, warten und warten.

Bis Pater Vincent kam, der dich dann von hinten nahm.

Ja. ja es ist wahr, hattest du Glück, dann spielte er mit dir „ Hol den Knüppel aus dem Sack“

viele wissen was ich meine, ja ja , das war das gemeine, auch das war Klausheide.

Auch der Bruder Clemenz war ein geiler Stecher,

doch Pater Wilhelm im Beichtstuhl konnte es noch besser.

Wir Kinder und Jugendliche hielten zusammen, waren wir doch gemeinsam gefangen

Vergessen möchte ich nicht das Schwesternwäldchen,

da ging es hoch her, da sah man Nonnen und Brüder, o la la, wer hätte das gedacht.

So manch schwarze Kutte zog blank, zeigte uns seinen S......

Halleluja, nun war das erste Trauma da

Das Leid überwog die Freud, Freizeit die war knapp

viele Arbeitsstunden setzen uns matt, . Ob Kartoffelkeller, feucht und kalt

Matrazen und Lampenhalle, wir saßen gemeinsam in der Falle.

Aufgewachsen ohne Vater und Mutterliebe, stattdessen gab es Prügel und Hiebe.

Die schwarzen haben verbrannte Erde hinterlassen, die Kinderseelen zerstört.

Wer aufmuckte, wurde fertiggemacht, der eine am Tag, der andere in der Nacht.

Viele können dieses Trauma bis heute nicht vergessen, sind verhaltensgestört

Eine Entschuldigung und Entschädigung ist das mindeste was sich gehört.

Das Salvator-Kollegg von einst, gibt es heute so nicht mehr.

Denn heute ist alles anders, das ist gut so, stimmt uns froh, halleluja, wunderbar. Amen

Das war Klausheide.